| Wer wir sind:
Die "Eltern-Selbsthilfe Freiburg" ist ein Angebot
und Hilfe für Eltern gefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher. Wir sind
eine Selbsthilfegruppe. Wir treffen uns regelmäßig. In gemeinsamen Gesprächen
lernen wir mit Konflikten umgehen und erleben dabei sehr stark, wieviel Kraft
und Halt wir uns geben können. Unser Verständnis für extreme Familiensituationen
kommt von der Betroffenheit aller. 15 Eltern, die schon mehrere Jahre mit der
Drogenproblematik konfrontiert sind, bilden den Kern der Gruppe. In Einzel- oder
Gruppengesprächen geben sie ihre Erfahrungen an betroffene Eltern weiter.
Darüber hinaus bestehen Kontakte zu etwa 40 betroffenen Eltern aus Freiburg und
Umgebung, die sporadisch die Gruppe aufsuchen, um sich Rat und Hilfe zu
holen.
Was wir tun:
Wir helfen uns, aus der Isolation herauszukommen.
Wir streben eine Verhaltensveränderung durch gegenseitiges Reflektieren an.
Unser Bemühen ist, eine sachliche und sichere Einstellung zum Abhängigen und
seinem Verhalten zu finden. Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, für uns
selbst etwas zu tun, um so der negativen Lebenseinstellung des Abhängigen eine
positive Lebenseinstellung gegenüberstellen zu können. Wir bemühen uns, ehrlich
miteinander zu sein, unsere Konflikte offen auszutragen, um uns gegenseitig zu
befähigen, die familiären Konflikte mit den Abhängigen und anderen
Familienmitgliedern besser zu bewältigen.
Schuldfrage:
Die Eltern, die zu uns kommen, quält vorrangig die
Frage nach der Schuld. Unsere Einstellung: Wir sind Mitverursacher und müssen
ertragen, dass wir Unzulänglichkeiten haben, aber nicht vorsätzlich schuldig
geworden sind. Wir wollen uns nicht aus der Verantwortung ziehen. Unser Bemühen
geht dahin, die bittere Erfahrung positiv zu verarbeiten, nicht im Sinne der
Schuldzuweisung, sondern der Bewältigung von unserer Hilflosigkeit. Ursachen für
die Drogenabhängigkeit sehen wir u. a. in der individuellen Persönlichkeit, im
sozialen Umfeld, im Zusammenspiel der Miterzieher, sowie in der Tatsache, dass
Drogen allen Jugendlichen zugänglich sind.
Schicksal als Chance:
Die Situation unserer Kinder hat uns an die Grenzen
des Erträglichen geführt. Unsere durch eigene Erziehung und Umwelt übernommenen
Vorstellungen wurden in Frage gestellt. Wir sind dadurch gezwungen, neue
Perspektiven zu finden. In diesem Umdenkungsprozess liegt für uns selbst die
Chance.
Wir helfen uns, aus der Isolation herauszukommen.
Wir erfahren in der Gruppe Wärme, wir fühlen uns durch gemeinsames Leid
verbunden und getragen. Teilen Freude, Hoffnung, Sorgen, Ängste und
Enttäuschungen.
EItern-Selbsthilfe und Psycho-soziale
Beratung:
Wir führen unsere Gruppenarbeit in Selbsthilfe
durch. Um die gruppendynamischen Prozesse bewältigen zu können, brauchen wir
fachliche Unterstützung. Von daher arbeiten wir eng mit den pycho-sozialen
Beratungsstellen zusammen. Die Einstellung der Fachleute zum Jugend- und
Drogenproblem sehen wir als eine wichtige Orientierungshilfe an. Während eine
gewisse Abgeschlossenheit der Gruppe für ihre therapeutische Wirkung nach innen
bedeutsam ist, darf eine Zusammenarbeit mit beratenden und behandelnden
Institutionen nicht fehlen. Sie ist Grundbedingung für das Gesamt an
therapeutischer Versorgung für alle direkt und indirekt Betroffenen.
Öffentlichkeitsarbeit:
Durch unsere eigene Erfahrung ist es unser
Anliegen, verstärkt Öffentlichkeitsarbeit zu machen.
Die Sensibilisierung der Bevölkerung für das
Drogenproblem ist für uns betroffene Eltern ein Herzensanliegen. Wir sind
bereit, wo immer wir Gelegenheit haben, einzuwirken, dass noch nicht betroffene
Eltern ihre Kinder ohne Angstmacherei sachlich auch auf diese Gefahr vorbereiten
können. Wir führen auch Einzelberatung durch.
Überlegungen für die Zukunft:
Wir haben überlegt und beschlossen, unseren Kreis
für Eltern zu öffnen, die andere schwerwiegende Probleme mit ihren
heranwachsenden Kindern haben (Alkohol , Kriminalität, psych. Erkrankungen). Wir
denken, dass die Not dieser Eltern bzw. der Angehörigen sich von unserer
Problematik nicht wesentlich unterscheidet. Dieser Gedanke hat die Zustimmung
der psycho-sozialen Beratungsstelle.
Freiburg, den 10. Mai 1984 |